Review: Club der roten Bänder – Wie alles begann

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich im November 2015 die allererste Folge von Club der roten Bänder gesehen habe. Vorab war ich skeptisch, doch bereits in den ersten Minuten hatte mich die Serie gepackt. Ich war damals mit meinen Kindern das erste Mal allein im Urlaub, um mir über meine damalige Beziehung klar zu werden. Wir schliefen zu Dritt in einem Bett und es dauerte gefühlt ewig, bis die Zwerge endlich Ruhe gaben. Ich habe in den ersten Minuten ziemlich oft unterbrechen müssen, wieder zu den Kids, wieder zur Ruhe rufen… Und trotz des lückenhaften Erzählstrangs, der sich dadurch anfangs ergab, fesselte mich die Serie emotional. Schnell begann ich der nächsten Folge entgegen zu fiebern, besorgte mir das Buch von Albert Espinosa und zog mir so ziemlich alle zusätzlichen Dokumentationen rein, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Die Serie war etwas sehr besonderes, kaum eine Folge wühlte nicht auf, rührte nicht zu Tränen.

Ich war sehr überrascht, als es nach dem Serienende nach Staffel 3 plötzlich hieß, es sein ein Film geplant, der die Vorgeschichte erzählt. Ich war misstrauisch, denn vor allem bei Hugo, der ja im Laufe der 3 Staffeln von einem kindlichen Wesen zu einem jungen Teenager heranwuchs (man konnte ja zusehen), konnte ich mir nicht recht vorstellen, wie man das mit denselben Schauspielern umsetzen wollte. Doch mit jedem Bild, mit jedem Trailer, den ich sah, wurde ich neugieriger. Und dann war es endlich so weit: Kurze Zeit nach dem Kinostart habe ich mir den Film im Kino angesehen.

Ich wurde sehr positiv überrascht! Der Film brachte große Gefühle vom TV ins Kino und wenn man erst einmal ausgeblendet hat, dass die Darsteller nun älter aussehen, obwohl sie in der Handlung ja jänger sind als in der Serie passt es auch. Am auffälligsten war das bei Nick Julius Schuck, der Hugo verkörpert, was logisch ist, da er der Jüngste im Club war. Überrascht hat mich die Darstellung von Jürgen Vogel, der einen Zimmernachbarn von Leo spielt. Ich bin, was Jürgen Vogel angeht, immer gespaltener Meinung, denn ich mag meist die Rollen, die er spielt nicht besonders. Hier glänzt er aber, wandelt sich vom Ekelpaket zu einer wirklichen Unterstützung für Leo. Die Darstellerin seiner Verlobten kenne ich noch aus der Kinderserie „Die Kinder vom Alstertal“, schön, sie mal wieder zu sehen. Auch der Darsteller von Ruben war dabei, auch das fand ich nett, da er in der Serie doch eine nicht ganz unbedeutende Nebenrolle spielte. Auf Benito konnte nicht verzichtet werden und es tat tatsächlich gut, seine Weisheiten wieder zu hören. Irritiert war ich von Jonas‘ Bruder, denn von diesem war in der Serie nie die Rede gewesen. Gerührt war ich vom Auftritt von Albert Espinosa selbst und das dieser dann auch noch Deutsch gesprochen hat. Es zeigt, wie sehr ihm das ganze und vor allem die deutsche Adaption am Herzen liegt.

Was die weitere Story angeht, gab es wenig Überraschendes, das meiste wusste man ja schon aus der Serie. An anderen Stellen wurden Vermutungen bestätigt. Überraschend war die Geschichte mit Jonas Bruder und, dass es sich bei Alex‘ Stiefmutter um seine Mathelehrerin handelt. Das Mitverfolgen des Leidens von Leos Mutter während ihrer Erkrankung war in gewisser Weise ein Deja-vu in der Vergangenheit und es erschüttert, Leo’s Familie am Sterbebett seiner Mutter zu sehen.

Tatsächlich gelingt es dem Film noch einmal, mehr Tiefe in die Geschichte zu bringen. Mehr Emotionen in die Charaktere. Ich finde es eine unheimlich starke, bewundernswerte Leistung der noch so jungen Schauspieler, sich so mit diesen schwierigen Themen zu befassen. Gleichzeitig finde ich es enorm wichtig, denn es ist vor allem an das junge Publikum gerichtet. An junge Betroffene. Ich denke, eine Geschichte, in der Erwachsene gegen diese Krankheiten kämpfen, würde nicht so gut angenommen werden.

Ich denke, es hätte noch viel mehr Staffeln geben können, finde aber gut, dass die Geschichte abgeschlossen wurde. Trotzdem war der Film „Wie alles begann“ sehr gelungen und sollte unbedingt von Fans der Serie geschaut werden.

 

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