Aktuell lese ich im Rahmen einer Reading-Challenge die Buchreihe After von Anna Todd. Ich bin aktuell am Ende des zweiten Bandes und weil ich den ersten Band nicht schlecht fand, wollte ich mir den zugehörigen Film mal anschauen. Allerdings bin ich da ein wenig kritisch. Ich kenne viele Buchverfilmungen, viele, die ich als ‘okay’ bezeichnen würde; leider auch viele, die absolut nicht an das Buch herankamen, aber auch ein paar wenige gute.

Nun ist eine Verfilmung eines “Erotikromans” immer etwas zwiespältig; zumal, wenn man das Ganze auch für ein jüngeres Publikum gestalten will. Dass das bei der Verfilmung von After Passion der Fall sein würde, lag eigentlich auf der Hand, ist die Geschichte doch ursprünglich als Fan Fiction angelegt wurden. Ich kenne Fan Fiction, seit ich im Internet unterwegs bin, habe früher auch viele speziell zur TV-Serie Roswell gelesen und sogar selbst welche geschrieben; auch Cover habe ich dafür gemacht. Ich bin also grundsätzlich mit dem Thema Fan Fiction vertraut. Und ohne das jetzt negativ zu meinen; wird das Interesse an FanFiction mit zunehmendem Alter eher weniger als mehr, sowohl auf der Seite der Leser als auch auf der Autorenseite. Ein ähnliches Beispiel ist sicherlich noch die Buch-/Filmreihe von 50 Shades of Grey; die ursprünglich ja auch als FanFiction zur Twilight-Reihe begonnen hat.

Ich habe also von Anfang an keine 1:1 Verfilmung des Buchs erwartet. Erste Irritationen gab es schon, als ich mir die Trailer zum Film bei Youtube ansah, trotzdem wollte ich dem Film eine gerechte Chance geben. Ich kann ja nicht über etwas urteilen, was ich nicht gesehen habe.

Als ich dann aber letzte Woche die DVD in den Händen hielt und mir ein dickes fettes FSK-0-Zeichen entgegenprangte, war Stirnrunzeln angesagt. Ich dachte tatsächlich kurz, ich hätte ein Hörbuch erwischt; aber ne, es war tatsächlich die DVD. Ich habe auch bisher nicht recherchieren können, dass es verschiedene FSK-Versionen des Films gab.

Ein Film, der auf einem Erotikroman basiert in ein FSK-0 zu bekommen, dass muss man auch erstmal schaffen. Aber ich wollte nicht so sein, der Film sollte seine Chance bekommen.

Die Handlung – Achtung, enthält SPOILER

In den seltensten Fällen kann man eine Filmhandlung so durchsezieren, wie sie im Buch geschrieben steht. Das funktioniert meistens schon allein wegen der Länge nicht und hat auch schon oft dazu geführt, dass ein Buch in eine ganzen Filmreihe umgemünzt wurde. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Aufteilen von Herr der Ringe in 3 Filme oder auch die Aufteilung des letzten Bandes der Twilight-Saga oder auch des letzten Harry Potter Bandes. Da war einfach so viel Story drin, dass man es zu sehr hätte beschränken müssen, wöllte man das alles in nur einen Film quetschen. Die Buchvorlage von After Passion hat über 700 Seiten, dass nicht alles davon im Film landet, war unumgänglich.

Film und Buch starten gleichermaßen mit Tessa’s Reise zum College. Begleitet wird sie von ihrem Freund Noah und ihrer Mutter. Als das Wohnheimzimmer endlich gefunden ist, hört es dann auch schon wieder auf mit den Gemeinsamkeiten zwischen Film und Buch. Zwar lernen wir auch hier Mitbewohnerin Steph kennen, allerdings hat sich ihr Freund Tristan zwischen Buch und Film wohl einer Geschlechtsumwandlung unterzogen; im Buch war Tristan jedenfalls noch männlich. Aber okay, um dann auch der LBGT-Bewegung gerecht zu werden (?), wurde Tristan mal kurz in ein Mädchen umgewandelt. Das erste Kennenlernen zwischen Tessa und Hardin verschob man im Film auf einen späteren Zeitpunkt. Dann glich man sich wieder ein wenig an die Buchhandlung an. Allerdings blieb irgendwie alles sehr seicht und oberflächlich. Teilweise war die Reihenfolge etwas abstrus, was zu Logikfehlern führte; allerdings dürfte das auch mit der Veränderung der Charaktere gegenüber dem Buch zusammenhängen (dazu schreib ich gleich noch was). Tessa trifft jedenfalls auf Hardin und nachdem sie erst beschlossen hat, sich von ihm fernzuhalten, merken beide recht schnell, dass ‘nur Freunde sein’ nicht funktioniert. Als Noah die beiden mehr oder weniger in flagranti erwischt und sich den Rest zusammen reimt, trennen die beiden sich. In der Folge taucht Tessas Mutter auf, um ihr ein Ultimatum zwischen der Beziehung zu Hardin und der weiteren Übernahme der Wohnheimkosten zu stellen; was zum Effekt hat, dass Tessa und Hardin in die Wohnung einer Bekannten von Hardins Vater ziehen. Allerdings war bis zu diesem Zeitpunkt noch nie wirklich die Rede vom schlechten Verhältnis zwischen Hardin und seinem Vater, bzw. es gab schlichtweg keins, weil sein Vater vorher nur am Rande erwähnt wurde, als Hardin dort die Einrichtung zertrümmert hat. Wobei auch das nur erkenntlich war, wenn man sich das Ganze zusammen gereimt hat oder die Buchvorlage kennt.

Während das Buch an der Stelle endet, an der Tessa von Hardins Verrat erfährt, geht der Film noch etwas weiter und bildet quasi einen Übergang zwischen 1./2. Buch bzw. zwischen dem 1. und 2. Film ab. Aber alles irgendwie noch halbwegs zu verschmerzen.

Die Charaktere 

Das eigentliche Problem des Films ist die Umsetzung der Charaktere aus dem Buch. Das liegt nicht zwingend an einer schlechten Schauspielleistung, sondern vielmehr daran, dass viele Film-Figuren mit der Buchvorlage wenig bis gar nichts gemeinsam haben. Das habe ich wirklich als sehr störend empfunden. Tristans Geschlechtsumwandlung habe ich ja schon erwähnt – da habe ich ja den Verdacht, man wollte unbedingt noch die LBGT-Community irgendwie mit einbeziehen. Die nächste Minderheit, die scheinbar irgendwie krampfhaft eingebunden werden sollte, waren Afroamerikaner. Mich stört überhaupt nicht, dass Landon Afroamerikaner ist. Aber seine Film-Mutter ist hellhäutig? Gut wir kennen den Vater nicht und rein theoretisch könnte es sich auch um ein adoptiertes Kind handeln, ich meine aber, dass davon im Buch nie die Rede war. Molly gibt es zwar im Film und sie haben ihr sogar rosa Haarsträhnen verpasst; allerdings kommt die Feindschaft und Eifersucht zwischen ihr und Tessa bis auf die Szene, in der sie Hardin quasi entlarvt, überhaupt nicht rüber. Dabei hassen die beiden sich im Buch wie die Pest. Einige Charaktere der “Gang” fehlen komplett, sind aber im Buch auch nicht so mega-präsent; weswegen wir das mal getrost unter den Tisch fallen lassen können. Aber…

… was bitte ist denn mit dem Buch-Hardin-Scott passiert? Ja okay, im Film hat er auch ein paar Tattoos, das wars dann aber irgendwie auch mit der Ähnlichkeit. Während man sich sicherlich darüber streiten kann, ob die Frisur so ist, wie man sich das als Leser vorgestellt hat, hätte ich doch wenigstens die Piercings erwartet. WENIGSTENS DIE PIERCINGS! Schließlich wird darauf im Buch immer wieder Bezug genommen. Aber gut; nach dem man sich mit dem nicht erwarteten Aussehen endlich angefreundet hat, muss man irgendwie feststellen, dass der Film-Hardin auch sonst nicht viel mit der Buchvorlage gemein hat. Gemein ist hier schon das richtige Stichwort. Ja, er ist auch im Film zu Beginn nicht wirklich freundlich zu Tessa, aber er ist um Welten – UM WELTEN – friedlicher und “zahmer” als die Buchvorlage. Leider geht dadurch aber auch das besondere Zwischenmenschliche zwischen Tessa und Hardin verloren. Und das ist tatsächlich das größte Manko am Film, neben den vielen kleinen Dingen, die ich aufgezählt habe und denen, die ich wahrscheinlich vergessen habe.

Ausblick auf Teil 2

Anders als viele andere Buchverfilmungen, die ich gut fand, die aber nicht fortgesetzt werden; sind für die After-Reihe weitere Teile in Produktion. Teil 2 ist bereits veröffentlicht, Teil 3 folgt noch.  als auch Teil 3 bereits angekündigt. Ob die besser werden? Ich denke, die aufgezählten Charakter-Änderungen wird man nicht beheben können, das wäre irgendwie ziemlich unglaubwürdig. Aber mal sehen, vielleicht komm ich ja irgendwann auch noch mal dazu, mir Teil 2 und 3 anzusehen. Bis dahin les ich mich erstmal weiter durch die Buchreihe.

Sunny

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