Über Belohnungen für Schulleistungen, Zeugnisse und Motivation

Vor einer Woche gab es bei uns Zeugnisse. Für ein Kind, war es das letzte Halbjahreszeugnis vor dem Übergang in die weiterführende Schule; für das andere Kind war es das erste richtige “Noten-Zeugnis”. Und auch, wenn die Zeugnisse beide nicht wirklich schlecht sind, gibt es ja immer etwas zu verbessern. Auch, wenn das letzte Halbjahr (naja, eigentlich das letzte Jahr) coronabedingt anders als geplant abgelaufen ist in den Schulen und durch den erneuten Lockdown bzw. die Aufhebung der Präsenzpflicht ab Mitte Dezember die letzten Halbjahresarbeiten nicht geschrieben werden konnten, sind beide Kinder nicht ganz zufrieden mit ihren Leistungen. Gleichzeitig haben wir aber das Problem, dass die Motivation durch die Lockdown-Situation schlechter ist, als normal. Alles erklären kann ich auch nicht, bzw. ist das große Kind irgendwie in dem unbändigen Kampf zwischen der von ihr gewünschten Selbstständigkeit und dem Merken, dass sie damit nunmal leider an ihre Grenzen stößt, gefangen; insbesondere dann, wenn es um das Verstehen von neuen Themen geht.

Ich merke zunehmend Schwierigkeiten beim Durchhalten der täglichen Aufgaben. Dafür werden dann gern diverse Ausreden gesucht, a lá “zu schwer”, “versteh ich eh nicht”, “zu anstrengend” usw. Tatsächlich eine schwierige Situation, zumal es an dem Punkt dann auch schon schwierig ist, noch von außen zu motivieren.

Motivation ist also das Stichwort. Ich habe überlegt, was denn so als Motivation angemessen sein könnte. Doch sogleich meldete sich mein Gewissen; denn in vielen Erziehungsratgebern, auf vielen Internetseiten und an vielen anderen Stellen wird von materieller Motivation abgeraten. Kinder sollen eigenen Antrieb erlernen und aus diesem heraus ihre Leistungen verbessern.

Und ja, bis vor einer Weile dachte ich ähnlich. Da gab es zwar durchaus auch mal ‘zur Feier des Tages’ das Lieblingsessen oder ein Eis, aber das ist nichts, was ich vorab in Aussicht gestellt habe; sondern passte meistens sowieso.

Jetzt hatte ich mir allerdings überlegt, was eigentlich gegen eine in Aussicht gestellte Belohnung für gute Leistung spricht. Schlussendlich ist mir lediglich das oben genannte Argument, des eigenen Antriebs eingefallen.

Aber irgendwie ist das so nicht haltbar. Meine Kinder sind schließlich noch in der Grundschule und sich in der Schule anzustrengen, um irgendwann den ersehnten Traumberuf ergreifen zu können, ist so unfassbar weit weg. Und bei mir hat diese Motivation auch nicht wirklich funktioniert. Ich habe zwar jetzt meinen Traumberuf mit der Selbstständigkeit gefunden, aber auch erst über einige Umwege. Und obwohl mir durchaus bewusst ist, dass man auch mit einem vermeintlich einfachem Lehrberuf ein gutes Leben führen kann und mit Geld längst nicht alles kaufbar, habe ich als Mutter doch irgendwie das Bedürfnis, dass sie zumindest alle Möglichkeiten haben sollen; die sie sich wünschen.

Ich finde es auch schwierig, weil ja oftmals die genauen Berufswünsche in diesem Alter noch nicht feststehen. Klar, die meisten Kinder haben gern so große Ideale wie Tierarzt, Arzt, Astronaut, Polizist etc., aber ob das in 5 Jahren noch so ist? Bei vielen Berufen wissen die Kinder ja noch gar nicht, was alles dazu gehört und was es dafür braucht. Da finde ich es schwer, sich jetzt auf einen Wunschberuf zu versteifen und immer wieder damit zu kommen, was man für den Beruf schulisch leisten muss.

Mit Drohungen und Erziehung über Strafen wie Fernseh- und Computerverbot bin ich eigentlich auch mittlerweile ab. Zum einen wird der Computer mittlerweile zu einem Großteil für die schulischen Sachen benötigt; zum anderen fruchtet es einfach nicht. Und aus lerntheoretischer Sicht macht ein Lernen über positive Bestärkung auch viel mehr Sinn als über positve Bestrafung. Was man als Hundetrainer halt so lernt…

Wenn man das Ganze mal weiterspinnt, gehen wir Erwachsene ja im übertragenem Sinne auch für eine Belohnung (sprich ein Gehalt) arbeiten und nicht rein deswegen, weil uns der Job so viel Spaß macht. Und wir geben uns besonders viel Mühe, wenn man durch eine Extra-Arbeit Extra-Punkte beim Chef sammeln kann, oder nicht? Übrigens predige ich dieses Beispiel immer wieder den Hundehaltern, damit die verstehen, warum sie in irgendeiner Form belohnen sollten im Training. Aber wenn es um einen selbst geht, sieht man halt den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Wir werden nun also versuchsweise mal mit tatsächlichen, kaufbaren Belohnungen arbeiten. Aber wir haben es noch nicht genauer definiert. Die Idee ist, dass wir ein Ziel gemeinsam vereinbaren. Erreicht das Kind das Ziel, erhält es die versprochene Belohnung. Wenn nicht, dann eben nicht. Ich bin mir noch unschlüssig, ob das Konzept so funktioniert, wie jetzt gedacht; es geht nämlich in unserem ersten Entwurf rein um die Noten auf dem Zeugnis, die zum Endjahr hin verbessert werden sollen.

Wir haben 2 Noten herausgesucht, die besser sein sollen im Endjahreszeugnis; dafür gibt’s dann eine relativ hochwertige Belohnung. Natürlich dürfen sich die anderen Zensuren nicht verschlechtern. Eigentlich finde ich den Zeitraum schon wieder fast zu lang; allerdings ist das Kind mit kleinen Dingen kaum zu motivieren. Und in die Entnote fließen Projekte ein, die sich teilweise über mehrere Wochen Bearbeitungszeit erstrecken. Genau solche langfristigen Projekte sind aber für das Kind sehr schwierig und haben die Halbjahresnote tatsächlich auch erst so nach unten gezogen.

Leider fällt es aber Lehrern und Schulmitarbeitern sehr schwer, das Kind in der Schule bei solchen Dingen zu motivieren. Erst nachdem ich zufällig von den Langzeitprojekten erfahren habe und wir darüber gesprochen und einen Plan gemacht haben, in welcher Reihenfolge die Aufgaben bewältigt werden sollen; fing das Kind in der Schule das Arbeiten an. Leider fehlte dann aber die Zeit.

Es wird also im zweiten Halbjahr darum gehen, früher von solchen Langzeitprojekten zu erfahren, um ggf. frühzeitig beim Strukturieren zu helfen. Auf der anderen Seite, finde ich es ein wenig schade, dass ich nur durch Zufall von diesen Projekten und den Schwierigkeiten erfahren habe. Das Kind erzählt nur wenig von der Schule und eigentlich hätte ich mir erhofft, dass man mich als Elternteil frühzeitig darüber informiert, wenn sich an dieser Stelle Probleme ankündigen – schließlich wissen sowohl wir als Familie als auch die unterrichtenden Lehrer, dass das Kind mit dem Strukturieren und planen so seine Schwierigkeiten hat. Aber jetzt ist es wie es ist.

Ich bin mir sicher, dass die Lehrkräfte eher zu der Sorte gehören, die das Belohnen nicht für richtig halten, aber ich tu das jetzt trotzdem mal so. Denn mein Kind weiß, dass es nicht dumm ist; es weiß, dass es an den eigenen Fehlern liegt, wenn etwas nicht fertig wird. Das Problem daran ist, dass vieles gar nicht begonnen wird, weil die Gefahr besteht, etwas falsch zu machen.

Naja, das zweite Halbjahr ist in ein paar Monaten sowieso schon wieder rum, und wie viel Präsenzunterricht in der Zwischenzeit noch stattfindet – und dementsprechend Tests und Benotungen erfolgen können, bleibt abzuwarten. Momentan sieht es ja eher nach einer weiteren Lockdown-Verlängerung aus. Wir werden sehen.

Und genauso werden wir sehen, ob das mit den Belohnungen als Anreiz fruchtet oder eben nicht.

 

 

 

 

Sunny

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